Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Widerstände

Die erste Haßreaktion auf unsere Aktivitäten erschien vor kurzem bei der oder dem gar nicht so analphabetischen awesome. Dortselbst gehen wir auf die erhobenen Vorwürfe ein und unterstreichen unseren Standpunkt in unschönem aber eloquentem Deutsch-LK-Stil.

Was soll der Quatsch?

Gemeinhin ist die Einhaltung der deutschen Rechtschreibung in der radikalen Linken traditionell unpopulär. So werden Schriftsprache betreffende Regelwerke als Hemmnis des freien Gedankens verachtet oder gleich pauschal als Ausdruck völkischen Sprachpurismus abgelehnt. In diesem Sinne wird in der radikalen Linken um die schonungsloseste Zertrümmerung der deutschen Schriftsprache gewetteifert.
Auf der anderen Seite dient die deutsche Schriftsprache zwangsläufig weiterhin als Vehikel des Gedankenaustauschs und Agitation, denn Englisch wird in der deutschen Linken konsequent ebenfalls nicht gesprochen. Als solches wird die Sprache dann auch den eigenen ideologischen Bedürfnissen angepaßt. Während aber kein Pronomen und kein Substantiv unfrisiert in den Druck oder den E-Mailverteiler geht, schert sich niemensch um die Beachtung sinnvoller Feinheiten. Konjunktionen werden entstellt, Präpositionen ihrer Bedeutung beraubt, vor der Willkür der diktatorischen Rechtschreibreform von 1996 vollständig kapituliert. Was aber nützt eine Sprache, die zwar geschlechtsneutrale Rundumbeachtung erzwingt, ansonsten aber zu einer Beliebigkeit verkommen ist, die Inhalt nur noch der Interpretation der Rezipierenden überläßt?
Wir sind der Ansicht, daß die Einlassung auf wesentliche Standards im Gebrauch einer gemeinsamen Schriftsprache ein angemessenes Zugeständnis an den Anspruch ist, möglichst vielen Genossinnen und Genossen das Verständnis eigener Inhalte zu ermöglichen. Wie sollen Positionen in Diskursen bezogen und wie soll Ideologiekritik formuliert werden, wenn man sich nicht auf die Präzision der verwendeten Sprache verlassen kann? Was soll man mit Aktionsberichten anfangen, die entweder aufgrund der Überheblichkeit oder der Unbedachtheit der VerfasserInnen schlechterdings unleserlich sind? In einer Zeit, die sich mehr und mehr auf schriftliche Kommunikation verläßt und jedem und jeder Einzelnen viel mehr schriftliche Niederlegung und Öffentlichmachung gestattet wie abverlangt, darf gegenüber dem Inhalt die Form nicht vollständig zur Nebensache werden. Dabei darf es nicht darum gehen, das innig geliebte Deutsch irgendwelcher schädlichen Einflüsse von außen zu erwehren, wie der Himmler-Verbindungsbruder Ramsauer es im Vorgehen gegen den Gebrauch von Anglizismen versucht. Wir erkennen Sprache als organisch und von Menschen gemacht an und wehren uns nicht gegen ihre Weiterentwicklung.
Selbstverständlich wollen wir niemanden beleidigen, der oder die im Gebrauch der deutschen Sprache unsicher ist oder Schwierigkeiten mir Rechtschreibregeln hat. Wir wollen aber die fortschreitende Verrohung des innerlinken Textaustauschs zu bedenken geben. Allen Linken sollte aufgefallen sein, daß die häßlichsten Elaborate meist von Nazis verfaßt sind. Mit solchen Geistern sollte man sich nichtmal formal gemein machen.